Jahreszeiten

Frühling:      10ck9q21_1_dsc_0014-001

Im Nest das werden, was es werden soll. In die Welt blinzeln und sie begrüßen. Sich willkommen fühlen. Wachsen. Lernen. Lachen, weinen, laufen, rennen, springen, staunen. Wüten, trotzen, lieben. Vom ICH zum DU. Die Tage so lang. Werden, was ich werden soll. Werden, was ich werden will. Selbstbewusstsein und die anderen richten sich ein. Die Fassade frisch geputzt. Beruf oder Berufung suchen. Unendliche Möglichkeiten. Reisen. Hinsehen. Wegsehen. Nach dem Seelenpartner sehnen. Selbstliebe, Nächstenliebe, den Liebsten lieben. Lernen und wachsen. So schön. So flexibel. Ach, die wunderbare Jugend.

Sommer:    112a-001

In die Gesellschaft finden. Für sich sorgen. Nestbau. Familie gründen. Liebe halten. Liebe ist auch Loslassen. So groß und nie gekannt: Elternliebe. Kinderliebe. Wachsen und Richtung ändern, Selbstbewusstsein wächst. Aufgaben bewältigen. Tanzen. Beweglich bleiben. Erste Risse in der Fassade. Pflegen der Fassade. Standhalten. Irrtümer einsehen. Neue Richtungen einschlagen. Das Selbst stärken. Vergangenheit bewältigen. Stark werden. Kinder verabschieden. Sich mit ihnen für immer verbunden fühlen. So schön. So spannend. So schrecklich kann es auch sein. Ach, das wunderbare Werden.

Herbst:    dsc_0040-002

Wer bin ich geworden? Wer will ich noch werden. Abschiede. Trauer. Was bleibt? Was wird? War es gut? Wird es gut?  Alles Gewesene erkennen. Was kann ich noch lernen?  Farben genießen. Noch einmal aufstehen und neue Wege einschlagen. Beweglich bleiben. Stürme überstehen. Ruhige Fahrwasser suchen. Schmerzen aufnehmen. Grenzen akzeptieren. So weit die Inneren Welten. Familie. Reisen. Freunde. Liebe. Selbstbewusstsein und die anderen kuscheln sich heiter zusammen. Erinnerungen sammeln. Alte Briefe noch einmal lesen. Eltern sterben. Jetzt wird man selber alt. Unnützes innen und außen aussortieren. Nun ist die Zielgerade bald erreicht. Ach, das wunderbare Sein.

Winter:   dsc_0061

Manchmal ein langer Weg zum Ende. Glücksmomente sammeln. Zufriedenheit wachsen lassen. Das Selbst umarmen. Den alten Körper hinnehmen, sich nach dem jungen sehnen. Liebe. Berührungen. Langsamkeit. Äußere Grenzen werden enger. Die Innere Welt weitet sich. Krankheiten aufnehmen. Erinnerungen wärmen. Lebenswerk bald vollenden. Wenn es gut war, ist es groß. Es war gut. Immer. Wir haben unser Bestes gegeben. Anders ging es nicht. Aufatmen. Aussöhnen. Verzeihen. Lieben und die Seele frei lassen. Gibt es ein Neues? Ach, die wunderbare Geborgenheit.

Für meine Eltern.

Ausgedacht und geschrieben im September 2016.

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