Quatsch ist auch wichtig

Ich will ein Zeichen setzen für Demokratie, Toleranz und Freiheit, weiß aber nicht so recht, wie. Mir bereitet die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und in der Welt zunehmend Sorge. Ich bin traurig, hilflos und wütend. Ich stelle fest, dass ich mich mit meiner Meinung öffentlich immer mehr zurückhalte. Ich möchte nicht auf den Schirm der Extremen gelangen. Ja, dieser Gedanke setzt sich tatsächlich fest.

Ich bin Jahrgang 1952 und will niemals in die Zeit meiner Jugendjahre zurück. In die meiner Eltern erst recht nicht. Es wird immer wichtiger, dass ich mich für meine Ideale einsetze, auch öffentlich. Noch kostet es nicht zu viel Mut. Noch ist es nicht allzu gefährlich.

Oder doch?

Ich frage mich, ob es richtig ist, in meinen Texten die politische und gesellschaftliche Entwicklung weitgehend außen vor zu lassen. Ich will keinen politischen Blog betreiben. Ich möchte nicht missionieren und meine Meinung als die einzig wahre hervorheben. Bisher war ich froh über unsere Vielfalt und über die scheinbar immer toleranter werdende Gesellschaft. Wir brauchen nicht alle einer Meinung zu sein, wir dürfen uns gerne streiten und können mit dem Austausch zufrieden sein, auch wenn wir weiterhin die Meinung der anderen nicht immer nachvollziehen können. Ich dachte, dass ich in einer Zeit lebe, in der diese Einstellung für die meisten selbstverständlich ist.

Nein, ist sie nicht. Wahrscheinlich war sie es auch noch nie.

Was tun?

Noch ist es nicht zu spät. Vielleicht können wir die Entwicklung aufhalten? Wie kann ich dazu beitragen? Ich nehme mir vor, meinen Alltag weiter so zu leben, wie es mir gut tut und den Humor dabei nicht zu vergessen. Quatsch ist wichtig, um den Mut nicht zu verlieren. Ich lese, um zu verstehen. Ich freue mich über die kulturelle Vielfalt, in der ich wählen kann. Ich diskutiere mit Gleichgesinnten, die am Meinungsaustausch Interesse haben. Ich will meistens nicht bekehren, nur hören und nachvollziehen.

Ich spreche allerdings nicht mit denen, die erkennbar keinen Austausch wollen, die nur zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden und keine Zwischentöne zulassen. Meine Kraft spare ich lieber für etwas Erfolgversprechenderes.

Ich bin froh, dass es Romane gibt, die meine Haltug widerspiegeln, dass Satire und Kabarett noch möglich sind und dass manchmal Sendungen im Fernsehen gezeigt werden, die Weltoffenheit und Toleranz „vorleben“. Gestern sah ich gleich zwei davon:  St. Vincent mit dem wunderbaren Bill Murray und dann ein Quatsch-Konzert  vom Feinsten.

Es so wichtig, meine Gefühle mit der Kunst zu verbinden und mich am Lachen der Welt zu beteiligen. Gemeinsam haben wir vielleicht etwas entgegen zu setzen.

 

6 Kommentare

  1. Liebe Regine, du sprichst mir aus der Seele. Auch ich diskutiere wenn überhaupt politisch nur noch mit Menschen, von denen ich das Gefühl habe, dass auch sie andere Meinungen gelten lassen möchten. Ansonsten gehe ich wählen, um meinen Teil dazu beizutragen, dass diejenigen Kräfte, welche eine Republik a la Ungarn, Polen, oder Russland wollen, hier nicht Erfolg haben werden. Darüber hinaus vertraue ich auf unsere Verfassung und seine Rechtsvertreter.

    Und – Kunst, Kultur, Literatur helfen mir dabei, nicht zu resignieren.
    Liebe Grüße & einen guten Restsonntag dir!

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  2. Liebe Regine, auch ich kann dich sehr gut verstehen und teile deine Gefühle. Auch ich möchte nicht mehr jung sein und ich denke, wir sind in einem Alter, da steht es uns zu, auch unsere Meinung zu sagen, denn damit verbunden ist auch Lebenserfahrung und eine Zeit, in der Werte noch eine andere Bedeutung haben.

    Seine Meinung zu sagen, heißt authentisch zu sein und zu bleiben und wer einen dann in die eine oder andere Schublade stecken mag, sollte vielleicht selbst einmal reflektieren. Bekenntnisse zur Demokratie, Freiheit, Tolerant und gegenseitigem Respekt sind momentan außerordentlich wichtig!

    Herzlich,
    Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

    • Na ja, jung wäre schon schön, aber nicht in den Zeiten, in denen ich aufgewachsen bin! Du hast noch den Respekt erwähnt. Stimmt, der gegenseitige Respekt fehlt so häufig und damit komme ich schlecht zurecht. Zum Glück bin ich nicht mehr Lehrerin! Liebe Grüße! Regine

      Gefällt 1 Person

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