Vorsichtige Relativierung

Jeder von uns betrachtet diese Zeit mit anderen Augen. Kontrolle, Einschränkungen, Verzicht, Krankheit und Tod…den ein einen belastet dieses, den anderen jenes mehr. Jeder hat seine persönlichen Gründe und Tragweiten. Klar ist: die meisten fühlen sich im Moment schlechter als vor 2 Jahren. Und jetzt kommt die vorsichtige Relativierung oder auch polemische Frage: was würde meine Oma wohl sagen, würde sie noch leben? Geboren 1903, erlebte sie den ersten Weltkrieg, die spanische Grippe, die Wirtschaftskrise, die Nazis, den zweiten Weltkrieg, den Tod des ältesten Sohnes, die Zerstörung ihrer Heimatstadt, die Hungerjahre nach dem Krieg, zehn Geburten und den frühen Tod meines Opas. Sie hat von früh bis spät gearbeitet, nicht geraucht und nicht gesoffen, immer erst gegessen, wenn die Kinder satt waren, und nie geklagt, so die Überlieferung. Sie starb mit 97 Jahren.

Ich denke, sie würde sagen:’Hör auf zu jammern. Bisse schon geimpft?‘

13 Kommentare

  1. Ich denke, vielen Menschen geht es zur Zeit auch in Deutschland wirklich schlecht, aber von denen hört man wenig. Ich traf letztens einen jungen Mann (39), also aus meiner Sicht noch jung (😉), der hat eine Corona-Infektion auf der Intensivstation am Beatmungsgerät überlebt. Er erzählte von seinen Erlebnissen und wie es ihm heute geht, noch immer arbeitsunfähig und ohne Ahnung, wie seine Zukunft aussieht. Sein Bericht erschütterte mich zutiefst. Ich denke auch an die Menschen, die zum Beispiel auf den Intensivstationen arbeiten. Sie werden täglich Schlimmes und Traumatisierendes durchmachen und ich halte es nicht für selbstverständlich, dass so viele nicht aufgeben und weitermachen.
    Wir dürfen die psychischen Auswirkungen der ganzen Situation nicht unterschätzen. Da kommt noch einiges auf uns zu. Ich denke da auch an die Spaltung der Gesellschaft, die mir Sorgen bereitet. Kriegen wir das wieder eingefangen?
    Ansonsten habe ich ähnliche Gedanken, so wie Du sie formulierst, auch schon gehabt. Mir persönlich geht es gut und ich kann das ganze öffentliche Geschrei und Gejammere von manchen Zeitgenossen nicht nachvollziehen.
    Liebe Grüße🌈! Regine

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  2. Alles nicht so schlimm scheint hier ein Ansatz zu sein, der uns Mut machen könnte. Schlimm genug allerdings, wenn wir Einzelschicksale oder ganze Branchen, so wie das Gesundheitswesen, betrachten. Diese Pandemie, dieses Virus, diese Katastrophe, müssten wir alle als DIE gemeinsame Aufgabe unserer Zeit sehen. Im Gegensatz zu Krieg und Naturkatastrophen kann jeder Einzelne was tun. Wir sind nur Nadelstiche davon entfernt…

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