Wege

Ich habe diesen Beitrag auf meinem Blog schon im Juli 2016 gepostet, passt aber ganz gut hier hinein…

Hören?

Oder lesen?


Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Diese 7 Worte hat Franz Kafka einmal zu Papier gebracht. Durch einige inspirierende Zeilen von lieben und wunderbaren Menschen hier, einem besonders, durch Begegnungen und Erfahrungen, die ich gemacht habe, hier meine kleine eigene Interpretation dieses Zitats.

Wir werden in unserem Leben immer wieder vor die Wahl gestellt, nach links oder nach rechts zu gehen oder eben auch geebnete Wege zu verlassen und eigene Wege zu finden. Neue Wege zu ebnen, zu definieren. Wir müssen uns ständig entscheiden, kein Weg ist unendlich. Diesen Weg dann gemeinsam mit Menschen gehen oder eben auch einsame Entscheidungen treffen und den Weg, auch den unerforschten, neuen, fremden, gefährlicheren und unbekannten Weg, alleine zu gehen. Sind wir gewappnet? Die richtige Kleidung, Schuhwerk, Proviant? Vielleicht müssen wir Stürme bestehen, Kälte und Hitze ertragen… Tja, eine gute Frage, denn wissen wir denn, wohin uns unser eingeschlagener Weg bringt? Können wir das überhaupt planen oder sollen wir einfach warten und uns nicht auf diesen Weg, auf diese Reise durch’s Leben begeben, nur weil wir vielleicht das Gefühl haben, nicht ausreichend vorbereitet zu sein?

Manchmal trennt man sich von alten Weggefährten, weil man gemerkt hat, dass es besser ist, dass man mit dem eingeschlagenen Weg auch niemals zu seinem Ziel kommen wird, sein Glück finden wird, es einem letzten Endes nicht gut tut, sich im Kreis bewegt. Schmerzlich sicherlich, aber nötig.

Manchmal braucht man auch diese „Eye-Opener“, Beweise, oft auch gute Freunde, die einem die Wahrheit schonungslos, geradezu wie eine Ohrfeige, präsentieren.

Manchmal wird einem diese Entscheidung aber auch abgenommen, egal, ob man will oder nicht und dann steht man erst mal alleine da. Das schmerzt noch mehr, weil man diese Entscheidung auch gar nicht treffen durfte.

Manche Wege kann man aber auch nicht alleine gehen, weil sie zu beschwerlich sind, weil man auf die Hilfe und Erfahrung eines guten Freundes nicht verzichten kann. Gut, wenn man dann auf diesen Freund zählen kann. Es gibt in unserem Leben immer wieder diese „Bergführer“, Weggefährten und Mentoren, ohne die man manche Berge nicht erzwingen und hochgesteckte Ziele nicht erreichen könnte.

Wenn wir dann unseren Weg gehen, alleine, werden wir diesen erst ganz vorsichtig gehen. Kleine, umsichtige Schritte. Wir wissen nicht, was nach der nächsten Kurve, nach dem nächsten Berg kommt. Ignorieren wir manche Verbotsschilder oder Warnungen, folgen wir den Umleitungsempfehlungen? Umkehren, nein, oder doch? Autobahn oder Landstrasse? Kennen wir denn schon das Ziel oder ist eben der Weg das Ziel? Wenn wir Glück haben, werden wir schon nach ein paar Hundert Metern Menschen treffen, die wir kennenlernen dürfen, die uns ein Stück unseres Wegs begleiten und uns Halt geben können. Manchmal wandern wir auch ein paar Kilometer weiter, ohne Begegnungen, ohne Steighilfe. Manchmal wollen wir das ja vielleicht auch so, weil wir erst wieder vertrauen wollen, weil wir erst wieder lernen müssen, nach dem Weg zu fragen und bewusst die Menschen am Wegesrand ignorieren. (Wieder)Lernen müssen, Menschen zu vertrauen. Schließlich ist es ja auch nicht einfach, jemandem davon zu erzählen, dass man unschlüssig, unsicher ist. „Männer fragen nie nach dem Weg“ und lesen auch keine Bedienungsanleitungen, fällt mir da so ein. Ein Zeichen von Schwäche? Stolz? Misstrauen? Jemand könnte uns ja auch ganz bewusst einen falschen Weg vorschlagen.

Aber mit jedem Schritt, mit jedem Meter wird man zuversichtlicher, man lernt, wieder auf sich selbst zu vertrauen und anderen zu vertrauen. Und während wir das vielleicht gar nicht merken, öffnen wir uns wieder ein Stück und plötzlich geschieht das, was wir uns den ganzen bisherigen Weg gewünscht haben, die Sonne kommt raus, die Bilder werden bunter, wir werden Wegbegleiter finden, die uns ein Stückchen begleiten, mit anderen verbleiben wir für ein paar Momente, mit einigen eine ganze Zeit an einem Ort, manche begleiten uns bis zum nächsten „Meilenstein“ und dann werden wir auch wieder Menschen finden, denen wir erzählen, was wir bislang auf unseren Wegen alles gesehen und erlebt haben, uns austauschen und wieder Vertrauen aufbauen. Neue Freunde von denen wir wissen, dass sie mit uns ein gutes Stück weitergehen werden.

Ich glaube, dass der Mensch nicht dafür taugt, hunderte von Kilometern alleine zu gehen.

Ich bin glücklich darüber, neue Wegbegleiter gefunden zu haben, die mein Schritttempo und meinen Takt mitgehen. (Appreciate) Auch habe ich alte Gefährten wieder getroffen, sie sind andere Wege gegangen, unsere Wege haben sich gekreuzt, über viele solcher Begegnungen bin ich glücklich. Man verweilt ein wenig und macht sich dann wieder auf seinen Weg, glücklich über jede Begegnung und die Wertschätzung, die man erfährt. Glücklich auch darüber, dass ich etwas (aus-)sortieren konnte und mein Umfeld mich heute, wie zuvor, so nimmt, wie ich bin. „Manchmal Steppenwolf, oft aber der emphatische und authentische Mensch, der allen auch mal die Meinung sagt, wenns nötig ist“ (nicht von mir…)

Manchen möchte ich nicht mehr über den Weg laufen. Ich passe auf und habe ja immer noch die Möglichkeit, die Straßenseite zu wechseln…

Passt auf Eurem Weg auf die kleinen und großen Stolpersteine auf und ignoriert nicht die Juwelen, die am Wegesrand nur darauf warten, von Euch aufgesammelt zu werden. Ein wundervolles Wochenende wünsche ich Euch…

und wer es sich anhören möchte… HIER

 

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11 Kommentare

  1. Lieber Thomas, danke für diesen Text.
    So ist es. Und wenn du schreibst, manchmal braucht es …
    Zitat Thomas: „Eye-Opener“, Beweise, oft auch gute Freunde, die einem die Wahrheit schonungslos, geradezu wie eine Ohrfeige, präsentieren …
    Ich finde es so wertvoll wenn wir Menschen haben die uns „sehend machen“, wenn wir dabei sind nicht zu sehen, nicht erkennen zu können …. einen Perspektivenwechsel kann mensch dann machen.
    Wahrheit und Klarheit, Worte die ich auch bei meinen Seminaren sehr gerne verwende. Und ich glaube auch,
    dass mensch alles sagen kann, es kommt nur darauf an, WIE er es sagt.
    Meine Tochter nennt solche Gespräche gerne einen „Reality-Check“ …. da muss ich lachen, überhaupt wenn mein geliebtes Kind das sagt. Und manchmal hat sie mir auch schon einen solchen verpasst …. ich bin jedes Mal dankbar dafür.
    Thomas, sei gesegnet bei allem was du tust!
    HERZ-lichst
    Monika-Maria

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Monika-Maria,
      „Reality Check“ ist wirklich gut. Ich hatte kürzlich eine interessante und offene Unterhaltung bei der mir gesagt wurde „sieh doch mal der Wahrheit ins Auge“ das war wohl so ein „Reality Check“ dem ich mich unterziehen musste…
      ja, man darf alles sagen, Freunde müssen einem alles sagen dürfen… das macht eine Freundschaft doch auch aus…
      Über den Wechsel der Perspektive haben wir uns ja schon unterhalten… es tut gut.
      Es tut auch gut, was Du schreibst.
      Danke dafür
      Liebe Grüsse
      Thomas

      Gefällt 1 Person

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