Angst

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Endlich Feierabend, denkt sie. Es ist schon dunkel draußen. Nass kaltes Wetter schlägt ihr entgegen als sie nach draußen geht. Fröstelnd schlägt sie den Kragen hoch und macht sich auf den Weg.

Ihr ist mulmig zumute, eigentlich immer wenn sie nach der Spätschicht nach Hause läuft. Heute ist auf den Straßen kaum etwas los. Kein Wunder bei diesem Schmuddelwetter. Zügig läuft sie die Straße entlang. Mit festen Schritten.

Plötzlich hört sie Schritte hinter sich, die langsam näher kommen. Sie bekommt Angst. Warum, weiß sie nicht. Weit und breit ist sonst niemand zu sehen. Sie traut sich nicht sich umzudrehen. Den Schlüssel fest in ihrer Hand haltend versucht sie gleichmässig nicht zu hastig weiter zulaufen.

Angst schnürt ihr die Kehle zu. Die Schritte verfolgen sie noch immer, selbst nach der dritten Abbiegung. Links im Busch raschelt etwas. Ein Vogel fliegt schimpfend davon. Beinahe hätte sie aufgeschrien. Die Schritte verfolgen sie noch immer. Sie scheinen aber nicht näher zu kommen wie zu Anfang. Ob ich mich umdrehen sollte? Fragt sie sich.

Nur noch drei Häuser, denkt sie erleichtert. Krampfhaft versucht sie den richtigen Schlüssel zu finden. Beinahe wäre sie auch noch über einen Stein gestolpert. Endlich geschafft.

Sie schließt auf und huscht schnell ins Treppenhaus, drückt sich gegen die Haustür damit sie schneller schließt. Dabei schaut sie ängstlich durch die kleine Glasscheibe. Eine junge Frau mit Kopfhörern auf den Ohren läuft vorbei.

 

Jeder Mensch hat Ängste. Es gibt die kleinen Harmlosen mit denen man leben kann. Und es gibt die Großen Ängste die wie eine Wand undurchdringlich scheinen oder einem zum Erstarren bringen.

 

(Foto Pixabay)

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17 Kommentare

  1. Liebe Nati,

    jeder Mensch hat Ängste, jeder hat sie schon erlebt. Grosse Ängste, kleine Ängste…
    Deine Geschichte zeigt das…
    Schopenhauer hat diese Situation einmal trefflich beschrieben:

    „Sind wir doch nach etwas ausgestandener Angst stets merklich heiter.“

    Schönen Abend Dir
    Liebe Grüsse
    Thomas

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  2. Ich habe im Dunkeln überhaupt keine Angst. Viele Menschen haben Angst, nachts in einen Wald zu gehen. Ich glaube, nachts im Wald ist es viel ungefährlicher als zu jeder Uhrzeit in einer Großstadt. Ich liebe Nachtwanderungen, aber nur OHNE Taschenlampe.

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      • Liebe Nati, das kann ich verstehen, aber lies doch mal den folgenden Auszug aus einem längeren Text, den ich vor einigen Jahren bezüglich einer langen Wanderung schrieb, wenn du Lust hast…
        Der lange Marsch

        1:45, tiefe Dunkelheit. Wir fahren zur Altenhagener Straße bei Heepen, hier kreuzt sie den Wappenweg. Ich schaue auf’s Außenthermometer des Wagens. 14°, genial, denke ich bei mir. Es ist windstill und sternklar. Mechthild und ich sind uns einig, dass es nicht besser sein könnte.
        Mit der Kreide markiere ich den Startpunkt, einen Stab, an dem das Wappenzeichen befestigt ist.
        MP 1:55 – viele Male werde ich in den kommenden Stunden mein Zeichen und die Uhrzeit hinterlassen. Auf dem Asphalt, an Bäumen und was sich sonst noch anbietet.
        Mechthild und ich verabschieden uns, sie wünscht mir Glück und Durchhaltevermögen. Ich schaue ihr noch nach, als sie in’s Auto steigt und heimwärts fährt, den wohlverdienten Schlaf nachzuholen.

        Ich wende mich um und setze mich in Bewegung. Hinter mir, im Nordosten, ist nur ein Hauch von blassem Morgengrauen zu erahnen, vor mir herrscht noch tiefe Finsternis. Zum Glück kenne ich diesen Teil des Weges wie meine Westentasche.
        Es ist spannend, bekannte Wege zum ersten mal im Dunkeln zu erwandern. Die optische Wahrnehmung ist diffus und reicht nur wenige Meter weit, Kurven und Wegkreuze erscheinen überraschend, schwarze Silhouetten entpuppen sich nur zurückhaltend als vertraute Hecken und Bäume, und Pfützen bemerkt man erst, wenn man den Fuß hinein gesetzt hat. In der ersten Stunde ändern sich die Lichtverhältnisse nur wenig, obwohl sich das Morgengrauen hinter mir ausbreitet.
        Die anderen Sinne sind desto aufmerksamer. Ich kann das Getreidefeld am Wegesrand riechen und die Brennnesseln, und registriere jedes Rascheln im Gras.
        Während ich gehe, fühle ich ängstlich in mein linkes Schienbein hinein. Die Entzündung oder was immer das ist, machte sich ja gestern noch subtil bemerkbar, ehrlich gesagt. Im Moment allerdings….toi, toi, toi…fühlt es sich gut an!
        2:30 – ich folge dem Waldweg zur Unterquerung der A2. Glühwürmchen! 6 oder 7 sind es, die beiderseits des Weges ihre Laternen entzündet haben. Ich bin etwas verblüfft, war ich doch bisher der Meinung, sie würden nur in den Abendstunden leuchten, und freue mich zugleich darüber, dass der Marsch so vielversprechend beginnt. Ich komme gut voran, mein Wanderstock schmiegt sich in meine Hand. Den Griff habe ich aus einem Oberschenkelknochen gefertigt, den ich vor Jahren im Schwarzwald auf einem Feld fand, vermutlich von einem Schwein stammend.
        Ich lasse das Gut Eckendorf hinter mir und die alte Wassermühle, fein renoviert und bewohnt. Ganz still ist es hier. Ich stelle mir vor, dass die Bewohner meine Schritte hören, aufschrecken, an einen Einbrecher denken. Morgens um 3:00 kommt hier in der Einsamkeit nie ein Mensch vorbei, vermute ich. Doch kein Fenster erhellt sich, kein Hund schlägt an. Alles ist still.
        Vor mir liegen nun große Felder. Sie erlauben einen weiten Blick über Bielefeld hinweg mit seinen Lichtern bis zum Fernsehturm. Die Stadt schläft noch und ist doch hell erleuchtet.
        Eine viertel Stunde später glimmt es nochmals auf, und zwar im Mundwinkel eines einsamen Radfahrers, der an seiner Zigarette zieht und mir inmitten der Pampa zwischen Brönninghausen und Ubbedissen bei den Windrädern entgegen kommt. „’n Morgen“, begrüße ich ihn etwas überrascht, „’n Morgen“ entgegnet er mir, bevor er wieder in die Nacht verschwindet.
        Das Morgengrauen gewinnt mehr und mehr Macht, während die Sterne langsam verblassen. Um 3:30 erklingt der allererste einsame Gesang eines Vogels und mischt sich mit Musikfetzen, welche von einer in den letzten Zügen liegenden Party herüber wehen. Um 4:00 schließen sich zahlreiche Amseln an. Mittlerweile habe ich die Rollkrugsiedlung erreicht…..

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  3. @Maddin
    Miss hat im Leben beobachtet, dass es auch unterschiede gibt, wo ein Mensch zu Hause ist, also wie z.B. in der Stadt oder auf dem Land. Landmenschen bei denen oft weniger Außenbeleuchtung ist, haben weniger Probleme durch eine dunkle Gasse zu gehen als ein Stadtmensch der es gewohnt ist, immer_oft viel Helligkeit um sich zu haben…

    😉 Nachtwanderungen ohne Taschenlampe kann auch gefährlich werden, beim stolpern über Wurzeln… immer schön schauen wo du hin trittst 😉


    Bei MIss ist das mit der Dunkelheit und der GrusselAngst irgendwie Tagesformabhängig, mal ist da Angst und beim nächsten mal ist da Mut…
    Wie zum Beispiel: Miss arbeitet ja auf Friedhöfen. Früh morgens kann es wunderschön sein, so richtig ruhig (Tagsüber wird es durch Gärtner richtig laut) oder im Winter, wenn es dunkel ist und die Grablichter leuchten und den Schnee glitzern lassen. Doch manchmal, überkommt Miss die Tatsache das da so viele tote Menschen sind und der Gedanke kann dann schon mal grusseln und wenn es dann noch oder schon wieder ist_wird, hört Miss manchmal Geräusche, die einen das Grusseln lehren und eine tiefe Angst erwecken…

    Angst ist ein starkes, wichtiges Gefühl. Miss glaubt, wenn da eine Angst auftaucht hilf das nachfühlen wo sie herkommt. Ob sie eine InstinkAngst ist oder eine FrüherAngst oder eine EchteJetztAngst. Angst als Überlebensinstinkt eins und heut manchmal mega wichtig, doch wenns eine Angst ist, die eine Mauer bildet und im Wege steht, dann heißt es wohl Mutig werden und langsam die Mauer abtragen um das Leben dahinter frei zu lassen…

    …mit blauen🐘Gedanken Grüßen

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  4. Ich höre ja auf meinen Instinkt, und der sagt mir: nachts im Teutoburger Wald im Jahre 2018 droht mir keine Gefahr. Auf dem hell erleuchteten Jahnplatz in der Bielefelder Innenstadt Samstag nachts um 2:00 wäre mein Instinkt in Hab-Acht-Stellung! Im Wald im Dunkeln werde ich eins mit der Natur, nichts bedroht mich, und die Gefahr, im Wald überfallen oder von einem Wildschwein angegriffen zu werden, ist um ein Vielfaches geringer als in der Stadt belästigt oder überfallen zu werden.

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