Die Liebenden – Brecht

Bertold Brecht – die Liebenden

Seht jene Kraniche in großem Bogen!
Die Wolken, welche ihnen beigegeben
Zogen mit ihnen schon als sie entflogen
Aus einem Leben in ein anderes Leben.
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile
Scheinen sie alle beide nur daneben.
Daß so der Kranich mit der Wolke teile
Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen
Daß also keines länger hier verweile
Und keines anderes sehe als das Wiegen
Des andern in dem Wind, den beide spüren
Die jetzt im Fluge beieinander liegen:
So mag der Wind sie in das Nichts entführen.
Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
So lange kann sie beide nichts berühren
So lange kann man sie von jedem Ort vertreiben
Wo Regen drohen oder Schüsse schallen.
So unter Sonn und Monds verschiedenen Scheiben
Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
Wohin ihr? – Nirgend hin. Von wem davon? – Von allen.
Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?
Seit kurzem. – Und wann werden sie sich trennen? – Bald.
So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.

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Ein Kommentar

  1. lieber Thomas 🙂
    diese Worte in Brechts Versen lassen sich erst nach mehrmaligem … lautem Deklarieren sinnlich erfassen
    – Kraniche sind das beste Beispiel nach der Weite ins Nichts zu fliegen – wiederum haben sie ein Ziel und eine Aufgabe sich in Sicherheit zu bringen – sie ziehen durch die Lüfte … uns Menschen den bevorstehenden Winter anzukündigen … für sie brächte es den sicheren Tod zu bleiben
    liebste Grüße von zuzaly 🙂

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