Erste Hilfe

Im Haus  ist etwas durcheinander geraten. Seele steht im Scherbenhaufen. Sie seufzt und macht sich daran, ihn zu beseitigen. Inneres Kind hüpft vorbei.

Inneres Kind: Was machst du da?

Seele: Ich räume auf.

Inneres Kind: Was sind das für  Scherben?

Seele: Trümmer vom geplatzten Luftschloss.

Inneres Kind: Was ist ein Luftschloss?

Seele: Mein Luftschloss hatte Wände aus Seifenblasen, Wünschen, Sehnsucht und selbst erdachten Geschichten. Es wurde einfach zu schwer.

Inneres Kind: Warum ist es kaputt?

Seele: Die Realität hat es geschrottet. Zum Glück war es noch nicht zu groß, mein Schloss.

Inneres Kind: Ist sonst noch etwas kaputt gegangen?

Seele: Mein Herz tut ein bißchen weh. Ich glaube, eine alte Wunde hat sich entzündet.

Inneres Kind: Wie konnte das passieren?

Seele: Ich habe nicht mehr richtig aufgepasst. Ich bin nicht gut genug. Ich bin dumm. Ich mag Luftschlösser lieber als die Realität. In ihnen bin ich liebenswert, in der Realität nicht.

Liebestöter (öffnet die Haustür ganz weit): Kommt mal alle her, es gibt wieder etwas zu tun!

Zweifler: Klasse, endlich kann ich mich breit machen. Wurde auch Zeit.

Das-Schaffst-Du-Sowieo-Nicht-Hexe: Seele, du bist völlig nutzlos und sowas von dumm und blöd. Wie immer. Wie zukünftig immer!!!!

Du-Bist-Eine Kleine-Wurst- Kobold: Nun ist sie wieder soweit. Seele, Seele, Seele, was bist du nur klein und häßlich.

Ewige Vorwürfe: Dumm geboren und nichts dazu gelernt. Schäme dich und geh in deine Ecke. Bei dir ist Hopfen und Malz verloren und wie konntest du bloß? Es ist ganz alleine deine Schuld.

Kreisende Gedanken: Hätte, würde, warum denn nur? Was war falsch? Warum denn nur? Warum denn nur, warum? Und nun? Hätte, würde, warum denn nur? Was war falsch? Warum denn nur, warum? Und nun? Hätte……….

Angst: Ja, nun kann ich wieder einheizen. Herz soll rasen. Geh bloß nicht raus. Gefahr, Gefahr, Gefahr! Der Spaß ist vorbei.

Nörgler: Sie kann auch gar nichts richtig machen. Niemals. Und wie sie schon wieder aussieht.

Angst: Genau. Das werde ich ihr mit meinen Attacken schon beibringen, wie hilflos, häßlich und dumm sie ist.

Seele: krümmt sich zusammen und hält sich die Ohren zu. Die anderen schubsen sie hin und her und machen Party.

Inneres Kind (rennt ins Büro): Selbstbewusstsein, du musst kommen. Die Seele wird wieder angegriffen.

Selbstbewusstsein (seufzt und folgt dem Inneren Kind): Was ist denn hier schon wieder los? Angst, was machst du? Hol gefälligst deine Attacken zurück!

Angst: Ich muss einheizen, sie muss es endlich lernen. Sie muss wissen, dass sie sich niemals vertrauen kann. Dass sie immer wieder Luftschlösser baut, die ihr um die Ohren fliegen.

Liebestöter: Seele darf sich nicht so aufführen. Sie soll lieber Realitätsprobleme knacken als Luftschlösser bauen. Sie soll sich die Zähne ausbeißen.

Selbstbewusstsein: Nun geht mal alle zur Seite. Seele, was ist denn los? Fegst Du mal wieder Scherben zusammen? (Nimmt die Seele liebevoll in den Arm, das Innere Kind knuddelt sich sofort dazwischen.)

Seele: Ich habe schon wieder ein Luftschloss….

Selbstbewusstsein:   Ja, ich weiß.

Seele: Du weißt und hast mich gelassen?

Selbstbewusstsein: Ich habe gesehen, dass du ganz gut auf dich aufgepasst hast. Du wusstest, dass es ein Luftschloss war. Dir hat es gefallen.

Hoffnung: Ich habe dabei geholfen! Wäre doch auch zu schön gewesen!

Die anderen kichern und wollen Seele weiter herumschubsen.

Selbstbewusstsein: Ihr verschwindet jetzt sofort aus dem Haus und lasst Seele in Ruhe aufräumen. Hoffnung, du kannst helfen, wenn du magst.

Hoffnung: Klar, ist doch nichts passiert. Schmerzen vergehen, aber ich bleibe.

Die negative Bande verlässt murrend das Haus und richtet sich im Garten ein. In der hintersten Ecke versammeln sie sich und feiern ihren Mini-Erfolg. Als ob sie einen Krieg gewonnen hätten.  Lächerlich!

Angst: Ich möchte noch ein wenig im Haus bleiben. Ich muss das Feuer unter Kontrolle bringen und die Attacken wieder einfangen. Ich richte aber keinen großen Schaden mehr an. Versprochen.

Seele: Gut. Vielleicht macht es Sinn, ich weiß gerade nur nicht, welchen.

Selbstbewusstsein: Seele, wie kann ich dir jetzt helfen?

Seele: Ich brauche Zeit, die Trümmer zu entsorgen. Ich will mein Fundament festigen und nur noch klitzekleine Luftschlösschen darauf errichten. Sie sind so abwechslungsreich und machen das Leben bunter.

Inneres Kind: Oh ja, kleine, glitzernde Seifenblasenschlösser. Wie schön!

Seele: Ich muss nur aufpassen, dass sie klein und leicht bleiben. Wenn sie platzen, tut es nicht weh.

Inneres Kind: Ja, das wird lustig!

Seele: Aber erst einmal muss ich diese blöden Trümmer wegschaffen. Die tun weh und sind nicht witzig.

Selbstbewusstsein: Was brauchst Du noch von mir?

Seele: Etwas Schönes. Ordnung. Sicherheit.

Selbstbewusstsein: Du kommst gleich mit an den See. Wir können schwimmen und die Sonne genießen.

Seele: Jaaaa.

Inneres Kind: Das wird toll.

Seele: Wir drei zusammen sind ein gutes Team. Danke für die schnelle Erste Hilfe! Und morgen putze ich mein Haus und die Trümmer kommen in den Garten. Vielleicht kann ich später noch etwas nützliches daraus machen? Ich kaufe tolles Essen ein. Auch Süßes.

Vernunft: (guckt um die Ecke und will eingreifen.)

Selbstbewusstsein: Ausnahmsweise kriegst du Schokolade und Kekse und Zucker in den Kaffee. Das brauchst Du jetzt. Vernunft, du hast heute frei!

Selbstbewusstsein, Inneres Kind und Seele nehmen sich noch einmal fest in die Arme, bevor die Seele sich wieder an die Arbeit macht. Zwischendurch gehen sie an und in den See und lassen es sich so richtig gut gehen.

Ausgedacht und geschrieben im Juni 2017

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