Dein Stecken und Stab…

Es ist kurz nach 9 Uhr als ich losfahre, kein Ziel vor Augen. Irgendwie will ich Sonne und Morgenfrische sehen, fühlen und fotografieren. Herbstfarben trotz 25 Grad im Schatten. Als ich die Pension verlasse und zum Auto gehe, kann ich meinen Atem sehen. Und freu mich drüber. Es wirkt so normal in dieser unnormalen Zeit.

Dann finde ich einen Parkplatz und einen Weg zu einer Kapelle.

Ich mache mich auf den Weg. Nach etwa 100 Meter denke ich, dass ich vielleicht meinen Wanderstock hätte mitnehmen sollen. Ich habe ihn immer im Kofferraum, da er wenig Platz benötigt, benutze ihn aber selten, weil er nicht sonderlich vertrauenswürdig ist. Im Winter hat er sich genau in dem Moment als ich ausrutschte „zurück gezogen“ ( er ist ausziehbar) und ich bin auf mein rechtes Knie geknallt. Das hätte ich auch ohne Stock geschafft.

Aber die Wege sind breit und nicht sonderlich uneben. Ein Stock wird wohl nicht nötig sein.

Einige Schritte weiter finde ich einen Stock am Wegesrand. Ich muss lachen.

Vor Jahren las ich, dass man einen Wanderstock nicht kauft, sondern ihn findet. Ja eigentlich findet der Stock den Wanderer. Das kann ich bestätigen, denn es ist bereits der 3. Wanderstock, der mich findet. Der letzte fand mich im Februar auf der Düne von Helgoland als ich befürchtete, ich müsste durch den Sand kriechen, weil mein Knie schmerzte, als würde ein Messer drinstecken. Von jenem Stock sah ich nur ein etwas 5 cm großes Stück Holz aus dem Sand herausschauen und griff danach, weil ich auf ein Stück Treibholz hofft. Das war es dann auch, und zwar ein ziemlich langes. 😉

Zurück zum Wald: Auch wenn ich den Weg für eben halte, was weiß ich schon?! Natürlich nehme ich den Stock mit. Ich muss dazu sagen, dass ich noch nie einen Stock gefunden habe, der sich dann als unbrauchbar oder morsch erwies.

Ich empfinde die Sache mit den Wanderstöcken als kleinen Scherz zwischen Gott und mir. Erst auf dem Rückweg, nachdem der Stock mich einige Male trotz stolpern davor bewahrt hat zu fallen, fällt mir wieder ein, dass ich damals in meiner Glaubenskrise ein Bild vor Augen hatte: ich sah mich an einem steilen Hang mit Schotter und dachte, dass ich nichts machen konnte. Ich würde fallen, und es gäbe keine Möglichkeit es zu verhindern. Es lag einfach nicht in meiner Macht. So gab es nichts, was ich tun konnte, um meinen Glauben wieder zu erlangen.

Aber erst in dem Moment verstand ich, dass Gott mir immer so einen Stock reichen würde, ich brauchte es nur zu denken. Nicht einmal zu wollen, nicht einmal zu glauben.

Übrigens fand mich auch bei der nächsten Wanderung ein stabiler Stock und das war gut so, denn ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete…

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