Plädoyer für die „Buchstabenschubser und Satzzeichenpupser“* dieser Welt

Ich oute mich hiermit. Ich bin einer dieser Rechtschreib- und Grammatik-Nazis. Ich glaube, das ist erblich. Ich kann da also gar nichts dafür. Ich habe schon Bücher und Artikel nicht zu Ende gelesen wegen miserabler Rechtschreibung. Wer Sachen im Eigenverlag heraus bringt, sollte wenigstens einen Lektor beauftragen. Meine Tochter hat meinen Defekt übrigens auch. Schon mit 3 Jahren hat sie ihren damals 5jährigen Bruder in seiner Aussprache berichtigt: „…, das heißt MaRMElade! Nicht Mamalade.“. Für ihn galten eher die Gesetze der Logik: hat Mama gemacht, also heißt das Zeug Mamalade. Ganz einfach. Hinhören fiel ihm nämlich schwer. Der Kinderarzt schickte ihn dann auch zum Logopäden. Ich wehrte mich zwar, aber gegen das Argument: „Wenn er die Wörter nicht richtig hört, kann er sie später in der Schule nicht richtig schreiben.“, kam ich nicht an. Da half es wenig, zu erläutern, dass mein Sohn Sprache als eher unwichtig empfand, und sie so reduziert wie möglich einsetzte.

Ich mag Sprache – vielleicht sogar zu sehr. Meine Blognamen sind Eigenschöpfungen gewesen. Natürlich ist mir klar, dass Sprache einem Prozess unterworfen ist, sich weiter entwickelt. Trotz allem staune ich immer wieder, wie heutzutage kommuniziert wird, und vor allem, wo man das lernt:

 

Und so frage ich mich natürlich auch, wie denn bayrische oder schwäbische Kinder in der Schule die korrekte Grammatik und Rechtschreibung lernen. Für die Ruhrpottler mag es ähnlich schwierig sein – siehe Anandas Post von heute 😉 . Woher weiß man dort, ob man an die Jana oder an Diana schreibt?  Ein Artikel vor dem Namen ist für Nordlichter…seltsam. Also entstehen allein durch die falsc.. äh andere Aussprache kreative Rechtschreibmomente, oder? In meinem Umkreis gehört es glücklicherweise aber in die Rubrik „Scherz“, wenn gesagt wird: „Ich geh zum EDEKA“. Ich vermute aber, dass es genügend Menschen gibt, die wirklich und voller Ernst so sprechen – und dann eben auch so schreiben. Der 2. und 4. Fall werden auch in Blogs unglaublich gern vergewaltigt. Daß und das – jedes hat eine andere Bedeutung! Und die Regeln? Nun ja, es gibt immer noch Nachschlagewerke dafür. Ich sag nur: D U D E N !

Noch mehr aufregen kann ich mich aber über Redakteure (Print!), die des Schriftlichen nicht mächtig sind, oder auch über Geschäftsmails, die eindeutige Flüchtigkeitsfehler enthalten. Überhaupt: Flüchtigkeitsfehler! Man kann doch seine Posts, Mails, überhaupt seine schriftlichen Ergüsse wenigstens nochmal durchlesen, bevor man diese in die Welt sendet.

Jeder von uns hat Schwachstellen, dessen bin ich mir bewußt. Auch ich schreibe absolut nicht fehlerfrei. Und für Schwächen habe ich eine Schwäche – heißt, ich übe mich in Toleranz. Gerade im Blogumfeld gibts den einen und anderen Legastheniker. Aber gerade dort werden die meisten Mühen unternommen, um Texte weitestgehend fehlerfrei zu veröffentlichen. Manches Mal trage ich zwar auch Buchstaben hinterher. Aber noch viel häufiger finde ich die Bedeutung, die durch das kreative LRS entstanden ist, total charmant.

„Wenn es Dich berührt, betrifft es Dich.“

Also warum kann ich bei fehlender Sorgfalt im Rechtschreib- und Grammatikbereich so dermaßen steil gehen? Ganz einfach. Es verursacht mir körperliche Schmerzen. Stellt Euch einen Rettungswagen vor, der direkt neben Euch seine Alarmsirene einschaltet. Das zieht durch jede Faser des Körpers. Da schmerzen nicht nur die Ohren, sondern einfach jede Zelle. Und so geht es mir mit Schriftfehlern. Deshalb wäre ich wirklich dankbar, wenn es auch anders herum Toleranz für Menschen gibt, die Texte mit falscher Rechtschreibung und Grammatik nicht lesen mögen. Niemand setzt sich gern freiwillig Schmerzen aus.

Es ist immer eine Frage der Perspektive – für jemand anders bin ich ein Rechtschreib-Nazi, für mich ein Buchstaben-Sensibelchen.

*Mein Dank für diese beiden Wortschöpfungen geht an die einzig wahre Blumenfee

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2 Kommentare

  1. Also erst mal muss ich Dir sagen, dass es bei uns Schwaben aus Respekt immer einen Artikel vor dem Namen gibt, die Bayern machen das noch wertschätzender, indem sie erst einen Artikel, dann den Nachnamen und dann den Vornamen sagen. Der Müller Schorsch oder die Müllerin Else oder so… Das hat doch was, oder?

    Ich gebe auch zu, dass ich bei manchen Beiträgen die Lust verliere, wenn die Fehler, sei es orthografisch oder grammatikalisch, so schlimm werden, dass ich den Zusammenhang nicht mehr erfassen kann oder Menschen so elend lange Schachtelsätze bilden, dass man gar nicht mehr mitkommt, was jetzt eigentlich Sache ist. 😉

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  2. 😊 Es sollte mehr wie dich geben, die berichtigen, denn dann hat jemand wie Miss, vielleicht eine Minichance, es wenigstens mal kurz zu kennen- das falsche Wort-Satzzeichen 😀
    Oh je, kein einziger Punkt 😅

    …mit blauen🐘 Grüßen

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