Rollenspiele

Meine Rollen sind definiert, aber nicht starr. Sie verändern sich stetig. Ich war, bin und werde zum Beispiel: Kind, Tochter, Schwester, Schülerin, Studentin, Frau, Lehrerin, Freundin, Staatsbürgerin, Geliebte, Lebenspartnerin, Ehefrau, Mutter, Patientin, Therapeutin, Nachbarin, Verbraucherin, Kundin, Zuschauerin, Mitwirkende, Lernende, Bloggerin, Künstlerin, Geimpfte, Bewohnerin, Grußmutter, Alte, Sterbende.

In jungen Jahren spielte ich viele Rollen gleichzeitig. Oft gab es fliegenden Rollenwechsel, mehrmals am Tag. Es war nicht immer leicht, die passende Besetzung zu sein. Das Drehbuch fehlte oder musste erst erfunden werden. Viele Rollen gefielen mir, manche nicht. Über meine Rollen definierte ich mich zum großen Teil. In meinen Rollen wurde ich gesehen.

Als ich krank wurde und von heute auf morgen in den Rentenstand versetzt wurde, ich gleichzeitig eine schmerzhafte Trennung und Scheidung überstand, meine Eltern verlor, die Kinder auszogen und ihr eigenes Leben lebten, fragte ich mich, was eigentlich von mir noch bleibt.

Die meisten Rollen habe ich fertig gespielt und abgegeben. Heute kommt es mir manchmal vor, als sei ich aus der Zeit gefallen. Meine jetzigen, wenigen Rollen sind zwar die Hauptrollen meines Lebens, aber für einen Großteil meiner Mitmenschen scheinen sie im Spiel des Lebens unwichtig zu sein. Alte Frau, alleinstehende Rentnerin, die gerne in die Schublade „Oma“ gesteckt wird, eine Ehrenamtliche vielleicht. Na ja, Freundin bleibe ich, Patientin, Nachbarin und Mutter natürlich auch. Gerade diese Rolle veränderte sich am stärksten von allen: es war ein langer Weg von der Umsorgenden zur Umsorgten. Meine Güte, das muss erst einmal verstanden werden.

Ich weiß, ich spiele immer weniger Rollen. Dafür habe ich Zeit gewonnen, um zu ergründen, was von mir bleibt, was mein ICH ausmacht. Es wächst, wird stark, bereitet sich auf den letzten Weg vor und ich gucke staunend auf die Rollenspiele meines Lebens zurück.

12 Kommentare

  1. Liebe Regine,

    interessanter Denkansatz. Wenn ich darüber nachdenke, welche Rollen ich spiele / besetze, sehe ich auch sehr viele.
    Manchmal frage ich mich dabei, ob ich alle Rollen mit dem selben Eifer spiele, ob alle Rollen Freude bereiten. Meine Rolle als Steuerzahler zum Beispiel macht mir nur eingeschränkt Spaß 😉
    Wir werden in dieses Theater reingeworfen, die Türen werden geschlossen und wir bekommen ganz verschiedene Drehbücher in die Hand gedrückt. Spiel!
    Wie komme ich da raus? Indem ich die Rollen zu Ende spiele oder indem ich das Engagement kündige?
    Liebe Grüsse
    Thomas

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  2. wow – liebe frau holle,

    dem ist nichts hinzuzufügen ….. danke

    wie habe ich in meine sprüchebuch(herzenstüren öffnen von eileen caddy) zum juli gefunden:
    zitat:
    „mir wurde ein zusammensetzspiel gezeigt,dessen stücke über einen riesigen tisch verstreut lagen.
    ich schaute zu, wie das puzzle zusammengesetzt wurde, und sah, wie jedes stück vollkommen an den
    ihm bestimmten platz passte.
    ich hörte die worte:
    wenn du an deinem rechtmässigen platz bist und deine besondere aufgabe erfüllst,
    kann es keinen konflikt geben, und mein plan kann sich in wahrer vollkommenheit entfalten “
    zitat ende

    lg elke

    Gefällt 1 Person

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