Einsamkeit als Chance

„Man hat das Leben verstanden, wenn man ein zufriedenes Leben höher schätzt als ein erfolgreiches. Denn ein erfolgreiches Leben wird an den Maßstäben anderer bemessen, während ein zufriedenes nur von einem selbst bemessen wird, so zumindest die Überzeugung des jetzigen Dalai-Lama. Auf der Suche nach Bestätigung entfremdet man sich immer weiter von sich selbst. Es braucht innere Stabilität, um Ziellosigkeit und Nichtzugehörigkeit als Potential sehen zu können. Das hat Alleinsein mit der Faulheit gemeinsam. Es ist das Nichts, da man selbst füllen kann. Muße und Einsamkeit bedeuten Möglichkeit.“

Sarah Diehl, Die Freiheit, allein zu sein. Eine Ermunterung. Seite 38

Wenn es mir nicht so gut geht, ich unzufrieden bin mit mir und meinem Leben, wenn ich mich zu alt oder zu dick fühle, wenn ich meine, ich bin dumm, dann bin ich nicht bei mir selbst. Ich denke mich in die anderen hinein und vermute, wie sie mich sehen. Ich vergleiche mich. Ich mache die gesellschaftlichen Konventionen (oder was immer ich auch dafür halte) für den Maßstab meines Lebens und will ihnen genügen. Und es gelingt nie. Ich bin nie gut genug. Und darum geht es mir eben auch nicht gut. Ich zweifle, verzweifle an mir selbst.

Mit dem oben genannten Zitat wird mir bewusst, was mir in den letzten Jahren passiert ist: Als Alleinlebende, nicht mehr berufstätige Frau fällt jeglicher Erfolgsdruck von außen weg. Es sei denn, ich mache mir mit eigenen überhöhten Ansprüchen selbst das Leben schwer.

Ohne Partner, Kinder, Jugend, Gesundheit und Beruf stand ich damals vor der Frage: Was bleibt eigentlich von mir übrig? Ich brauchte ein paar Jahre, bevor ich Antworten fand. Und ich bin noch nicht fertig damit, aber ich weiß genau: Ich will nicht mehr erfolgreich sein.

Ich will zufrieden sein mit dem, was ich bin und wie ich mein Leben fülle. Ich will aufhören, mich selbst unter Druck zu setzen, denn der Druck ist ein unnötiges Überbleibsel aus alten Zeiten.

Das heißt nicht, dass ich mich gehen lasse. Ich will lernen, ich will mich entwickeln, ich will mich pflegen und mir Gutes tun. Aber ich muss nichts mehr. Ich kann sogar aufhören, mithalten zu wollen. Das kann ich ja sowieso nicht.

Ich lese gerade: https://www.w1-media.de/produkte/die-freiheit-allein-zu-sein-723539 und bin erst auf Seite 38. Aber schon jetzt kann ich meine Geschichte, Gedanken und Emotionen wunderbar unter das Thema Alleinsein ordnen. Auch wenn ich einen Lebensmenschen manchmal vermisse, so weiß ich jetzt, dass alleine zu leben ein gutes Leben ist und überhaupt kein Mangel sein muss. Ich bin auch selbst alleine genug!

7 Kommentare

    • Danke, lieber Thomas! Ich bin ja nicht freiwillig allein…insofern auch nicht mutig. Ich nahm mir aber vor, mein Lebensglück nicht davon abhängig zu machen, ob ich einen Liebsten habe oder nicht. Nach etwas 10 Jahren kann ich sagen: Vorhaben ist weitgehend geglückt. Und die Trauer darüber, allein zu sein, gehört eben auch dazu. Liebe Grüße! Regine

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  1. Ich lebe ja auch alleine … anders, da noch im Berufsleben …
    Aber ich liebe es !
    Es war ein Weg dahin … allein sein will gelernt sein …
    Aber wenn man es einmal kann gibt es Freiheit … und letztlich passieren die wichtigsten Dinge ja doch in uns drin … oder nicht ?
    Alles das, was wir mitnehmen können, obwohl das letzte Hemd keine Taschen hat, ist in uns, nicht im Außen, auch nicht im Körper …
    Und ich habe auch eine neue Sichtweise gefunden in Bezug auf die Anderen …
    Sich zu vergleichen, das kenn ich auch.
    Man kann es aber auch mal so sehen :
    Die Ängste, die Schwächen, die Zweifel … all das was ich habe, haben die anderen auch.
    Mit Sicherheit.
    Alles Liebe ♥️

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    • Als ich das erste Mal alleine im Urlaub war, dachte ich, wie schön es doch sei, Zeit für eigene Gedanken zu haben, die tiefer sein können, als ich jemals dachte. Ich konnte sie zu Ende denken. Als ich dann allein lebte lernte ich mich neu kennen. Ein langer Weg bis heute und ja, ich lebe richtig gut mit meiner eigenen Fülle. Mir fehlen Berührungen, Zärtlichkeit, alltäglicher Austausch mit einem Lebensmenschen, aber als ich einen hatte, fehlte mir auch so einiges.
      Ich finde es schwieriger als früher, den sozialen Kontakt nicht zu verlieren. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich nicht mehr so gesund bin und vieles einfach nicht mehr geht, was in jungen Jahren selbstverständlich war.
      Ich mag es, im eigene Rhythmus zu leben und selbst zu gestalten. Ich bin mir nicht so sicher, ob mir ein Zusammenleben mit Menschen, nach denen ich mich ab und zu sehne, überhaupt noch gelingen könnte…..
      Zufriedene und liebevolle Grüße! Regine🙋‍♀️

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