Atropa Belladonna

Um kaum eine andere heimische Pflanze ranken sich so viele Gerüchte, oft unheimlicher Art, wie um Atropa belladonna, die Tollkirsche. Diese stattliche Staude erfreut sich eines erstaunlich hohen Bekanntheitsgrades, wenn man bedenkt, daß die meisten Menschen doch gar nicht wissen, wie sie aussieht. Dabei ist sie beispielsweise auf den Kalkrücken des Teutoburger Waldes bei Bielefeld recht häufig und kommt an einigen Stellen in ausgedehnten Beständen vor. Sie wird mannshoch und bildet im Sommer kirschgroße schwarze Beeren, welche genauso lecker wie giftig sind – 4 reichen für ein Kleinkind, 20 für einen erwachsenen Menschen, um einen lebensbedrohlichen Zustand eintreten zu lassen.
Doch beenden wir hier die botanischen Betrachtungen und wenden uns dem Aspekt der Pflanze zu, der uns wirklich interessiert – welche Anwendungsmöglichkeiten am menschlichen Körper bietet sie? Erweitert sie das Bewußtsein? Verleiht sie Flügel? Stimuliert sie uns beim Sex bis ins Unerträgliche? Oder mit anderen Worten: steht uns hier LSD, Red Bull und Viagra legal und kostengünstig, in einer Pflanze vereint, zur Verfügung? Nun, ich muss leider alle enttäuschen, vor deren inneren Augen gerade ganze Völkerschaften fröhlich vereint morgens in die Wälder ziehen, um abends friedlich lächelnd mit tief beseeltem Ausdruck, aber am Rande der sexuellen Erschöpfung, wieder heimwärts zu schweben. Wer aber auf Mundtrockenheit, Pupillenerweiterung, Tachykardie, Atemlähmung und Herzstillstand steht, dem sei der Genuß der Pflanze wärmstens empfohlen.
Nur die Pupillenerweiterung lässt sich vom Laien sinnvoll und effektiv nutzen, wie uns schon der Artname Belladonna ahnen lässt. Er bedeutet ‚Schöne Frau‘. Die Legende, und sie wird jedem Pharmazie-Erstsemester erneut aufgetischt, besagt, daß die Frauen früher, wann immer früher auch gewesen sein mag, sich den Saft der Pflanzen oder der Beeren in die Augen geträufelt hätten, um mit den darin enthaltenen Wirkstoffen die Pupillen zu vergrößern und sie, also die Frauen, dadurch schöner und verführerischer aussehen zu lassen.                                                                                                                               Ich bin von dieser Theorie nicht überzeugt, und zwar, weil – und hier erlaube ich mir, für die Mehrheit der Männer zu sprechen – uns die Größe der Pupillen einer Frau herzlich egal ist, ganz ehrlich!                                                                                                                           Vielmehr glaube ich, daß die extreme Pupillenerweiterung, welche bekanntlich mit einer extremen Verschlechterung der Sehschärfe einhergeht, genutzt wurde, um einen Weichfilter auf das Antlitz des Gegenübers zu legen, oder , in Analogie zum Schönsaufen, den Partner schön zu tröpfeln. Diese sinnvolle Anwendungsmöglichkeit stand natürlich beiden Geschlechtern zur Verfügung!

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